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Ratlos in Rom

Die Kritik am Papst wächst, nicht nur in den Medien. Im Vatikan fragen sich schon Mitarbeiter, ob der Heilige Geist dem Heiligen Vater das Richtige rät.

Benedikt XVI. sorgt für Irritationen
Benedikt XVI. sorgt für Irritationen   Foto: APA

Der Heilige Geist”, so sagte Papst Benedikt XVI. am Sonntag auf dem Petersplatz in Rom, “redet auch durch die Kirche zu uns”. Doch unverändert viele Katholiken, Nicht-Katholiken und auch Vatikanmitarbeiter fragen sich, ob der Heilige Geist derzeit das Richtige rät: Nach der umstrittenen Wiederaufnahme von vier Bischöfen der erzkonservativen Piusbruderschaft in die katholische Kirche wächst die Kritik am Papst weiter.

Abwählen? Am Montag lieferten Nachrichtenagenturen bereits gar Antworten auf Fragen wie “Kann ein Papst abgewählt werden?” und “Kann ein Papst zurücktreten?”: Vier Jahre nach seiner Wahl scheint das vorsichtige Wohlwollen gegenüber Benedikt XVI. in massive Kritik an seiner Amtsführung umzuschlagen. Verstärkt wird die Kritik durch die Ernennung des konservativen Priesters Gerhard Maria Wagner zum Weihbischof von Linz. Wagner sagt von sich: “Ich suche die Konfrontation”. Sucht sie auch der Papst? “Dass der Papst immer schon eher konservativ war, ist nichts Neues, aber man hatte eben erwartet, dass er etwas mittiger sein würde”, meinte ein deutscher Vatikanangestellter diplomatisch.

Kaum andere Möglichkeiten. Andererseits habe der Papst gegenüber den vier Bischöfen der Piusbruderschaft kaum anders handeln können: “Die Bischöfe haben beim Papst um Nachsicht gebeten und er musste machen, was ein guter Hirte machen muss.” Zwei Arten der Wahrnehmung prallen jetzt aufeinander: Im Vatikan sieht man die Rücknahme der Exkommunikation, die Leugnung des Holocausts durch Bischof Williamson und nun die Ernennung des Weihbischofs von Linz als voneinander unabhängig – die Öffentlichkeit begreift dies als geplanten “Rechtsruck”.

Zerren um Einfluss. Unabhängig von der aktuellen Lage glauben Vatikanbeobachter tatsächlich, dass “rechte italienische Kreise” versuchen, ihren Einfluss in der Kurie auszuweiten. Beispielhaft dafür sei die Kampagne für die Seligsprechung des umstrittenen Papstes Pius XII. Doch nicht nur der Kurs des Kirchenschiffs wirft Fragen auf, auch die Kommunikation an Bord läuft falsch. “Es gibt viele kleine Zirkel, die an Projekten sitzen und sich nicht abstimmen”, meint ein Vatikanmitarbeiter, “ohne Rücksicht auf Verluste”.

Quelle: Kleine Zeitung (www.kleine.at)
- MARTIN ZÖLLER, ROM

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